Agentische KI

Vier Fragen an Jeremy Jawish: Warum Agentic AI? Warum jetzt?

Table of contents

    SHARE:

     In dieser Ausgabe unserer Serie „Vier Fragen an“ sprechen wir mit Jeremy Jawish, CEO und Mitbegründer von Shift, über alles rund um Agentic AI. Wir beleuchten, wie die Einführung von Agentic AI Shifts Pionierrolle im Bereich KI für die Versicherungsbranche auf natürliche Weise fortsetzt, welche Chancen sie für Shift und seine Kunden eröffnet, warum gerade jetzt der richtige Zeitpunkt für ihren Einsatz ist und wie Agentic AI mit Shifts IDN-Initiative zusammenhängt.  

    Wie knüpfen die Pläne des Unternehmens für Agentic AI an die Innovationsgeschichte von Shift an? 

     Shifts Ansatz für Agentic AI ist die konsequente Weiterentwicklung dessen, was das Unternehmen seit seiner Gründung auszeichnet: ein KI-nativer Ansatz zur Lösung einiger der größten Herausforderungen der Versicherungsbranche. Zu Beginn dieser Reise bedeutete das, tiefes versicherungsfachliches Know-how mit produktionsreifen Machine-Learning-Modellen und prädiktiver KI zu verbinden, um Versicherer im Kampf gegen Betrug zu unterstützen. Anschließend hat Shift seine Lösungen auf Regress, Underwriting, Fraud, Waste and Abuse im Gesundheitswesen sowie weitere geschäftskritische Prozesse ausgeweitet. Mit der Weiterentwicklung von Large Language Models hat Shift zudem generative KI-Funktionen in seine Lösungen integriert. Dadurch erhalten Versicherer noch mehr Möglichkeiten, KI gezielt zum Nutzen ihres Unternehmens und ihrer Kundinnen und Kunden einzusetzen.  

     Mit unserer jüngsten Evolutionsstufe, die mit der Einführung von Shift Claims im September 2025 begann, haben wir skalierbare und sichere KI-Agenten produktisiert und in den Einsatz gebracht. Diese führen komplexe Versicherungsprozesse wie Schadenaufnahme, Ermittlungen oder die Bewertung der Haftung aus, neben vielen weiteren Anwendungsfällen. Und sie tun dies mit hoher Genauigkeit, während gleichzeitig die von unseren Kunden geforderten Human-in-the-Loop-Kontrollpunkte, Governance-Strukturen und Integrationsstandards erhalten bleiben. Diese Agenten nutzen unsere bestehenden Modelle, Scoring-Engines, APIs und unsere Insurance-Intelligence-Schicht. Dadurch profitieren Kunden von Produktivitäts- und Qualitätssteigerungen, ohne auf disruptive Rip-and-Replace-Projekte angewiesen zu sein. 

     Im Hintergrund investieren wir gezielt in Orchestrierung, Monitoring und den weiteren Ausbau unserer Insurance-Intelligence-Schicht, damit das Schlussfolgern der Agenten in realen Geschäftsprozessen verankert ist. Das Ergebnis sind praxisnahe, agentengesteuerte Fähigkeiten, die auf bewährten Domänenmodellen aufbauen, durch operative Kontrollen abgesichert sind und sich bei klarem ROI und hoher Erklärbarkeit in die IT-Landschaften von Versicherern einfügen. 

     Welche Chancen bietet Agentic AI für Shift und seine Versicherungskunden? 

     Agenten zum Kern unseres Angebots zu machen, eröffnet sowohl für unsere Kunden als auch für Shift wichtige Chancen. Sie helfen dabei, komplexe End-to-End-Prozesse zu automatisieren, Durchlaufzeiten zu verkürzen sowie Belege und Hinweise kontinuierlich zu erfassen. Gleichzeitig entlasten sie Expertinnen und Experten, damit diese sich auf Ausnahmefälle konzentrieren können. Das führt zu höherem Durchsatz, geringeren Schadenkosten, einem besseren Kundenerlebnis und neuen Produkten, die sich operativ tatsächlich umsetzen lassen. Für Shift bedeutet eine Agent-First-Strategie zudem, tiefere Fähigkeiten zu produktisieren und differenzierte Services anzubieten. 

     Für Versicherer liegt die eigentliche Chance von Agenten vor allem im Bereich der Belegschaft. Zu oft wird KI im Allgemeinen und Agentic AI im Besonderen als Bedrohung für Arbeitsplätze wahrgenommen. Die Realität sieht jedoch anders aus: Die Versicherungsbranche steht vor einem weithin anerkannten Fachkräftemangel. Agentic AI kann hier eine wichtige Brücke schlagen. Sie automatisiert monotone und repetitive Aufgaben und ermöglicht es Mitarbeitenden, sich auf wertschöpfende Tätigkeiten zu konzentrieren, die für das Unternehmen und seine Versicherungsnehmerinnen und Versicherungsnehmer wirklich relevant sind. Agenten versetzen zudem auch weniger erfahrene Mitarbeitende in die Lage, auf das kollektive Wissen der Organisation zurückzugreifen und fundierte Entscheidungen zu treffen. Gleichzeitig können Kundinnen und Kunden darauf vertrauen, dass ihre Schäden schnell, präzise und fair bearbeitet werden – und vielleicht am wichtigsten: mit Empathie. 

    Warum glaubst du, dass Versicherer bereit für die agentische Revolution sind? 

    Drei zentrale Entwicklungen sind zusammengekommen, die Agentic AI für Versicherer praktikabel machen: leistungsfähige Modelle, bewährte geschäftliche Anwendungsfälle und steigender operativer Druck. Foundation Models haben inzwischen einen Reifegrad erreicht, auf dem sie mehrstufige Schlussfolgerungen ziehen und Werkzeuge nutzen können – und ihre Fähigkeiten entwickeln sich weiterhin rasant weiter. Versicherer haben bereits wiederholbare Erfolge in den Bereichen Schaden und Betrug erzielt, bei denen der Nutzen klar messbar ist. Gleichzeitig machen geschäftliche Realitäten wie Kostendruck, Fachkräftemangel und steigende Kundenerwartungen Automatisierung zu einem strategischen Imperativ.

    Darüber hinaus verfügen viele Versicherer heute über ausgereifte Datenpipelines, APIs und digitale Workflows, die den sicheren Einsatz von Agenten überhaupt erst ermöglichen. Bereitschaft bedeutet jedoch nicht, dass die Komplexität verschwindet. Eine erfolgreiche Einführung erfordert diszipliniertes Change Management, belastbare Guardrails und Partner, die sowohl technologische als auch versicherungsfachliche Expertise mitbringen. Sind diese Voraussetzungen erfüllt, können agentische Lösungen in sorgfältig ausgewählten Workflows schnell einen klaren Mehrwert schaffen.

    Wie wirkt sich die Einführung von Agentic AI auf andere strategische Initiativen von Shift aus, etwa auf das Insurance Data Network oder IDN? 

    In vielerlei Hinsicht wirkt sich die Weiterentwicklung von IDN direkt und positiv auf die Fähigkeiten unserer Agenten aus. KI entfaltet ihre volle Leistungsfähigkeit dann, wenn sie auf hochwertige Daten zugreifen kann – und das gilt insbesondere für Agentic AI. Ein zusätzlicher wichtiger Aspekt von IDN ist, dass Agenten auch Werkzeuge benötigen, um ihre Aufgaben auszuführen. Dazu zählen beispielsweise Unternehmenssoftware, APIs, Browser oder andere Dienste. Das IDN stellt dabei nicht nur Daten bereit, sondern kann selbst als Werkzeug dienen, auf das Agenten zur Erledigung ihrer Aufgaben zugreifen.

    IDN-Mitglieder profitieren von einer beispiellosen Menge versicherungsübergreifender Schadendaten. Diese Daten können Warnmeldungen auslösen, wertvolle Erkenntnisse liefern und ein umfassendes Bild darüber vermitteln, wie sich ein Anspruchsteller, Leistungserbringer oder Netzwerk auf einen oder mehrere Versicherer auswirkt. Die Fähigkeit eines Agenten, sowohl auf die zugrunde liegenden Daten als auch auf die daraus gewonnenen Warnungen und Erkenntnisse zuzugreifen, ist äußerst leistungsstark. Deshalb betrachten wir weitere Investitionen in das IDN als direkten Beitrag zu unserer Agentic AI Strategie.